Welche Aufgabenkreise gibt es?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schreibt keine typischen Aufgabenkreise vor.
Es obliegt dem Richter/in, anhand der Situation und den Bedürfnissen des Betroffenen die Aufgabenkreise nach dem Erforderlichkeitsgrundsatz herauszufinden und festzulegen.

In der Praxis werden folgende Aufgabenkreise vielfälltig übertragen:

Aufenthaltsbestimmung

Der Betreuer schließt für Betreute Mietverträge und Heimverträge ab und kündigt diese im Rahmen des § 1907 BGB (bei einer Wohnungsauflösung ist zuerst die betreuungsrechtliche Genehmigung einzuholen).
Auch die Veranlassung freiheitsentziehender Unterbringungen nach § 1906 BGB setzt den Betreueraufgabenkreis Aufenthaltsbestimmung voraus.

Postangelegenheiten

Die Entscheidung über den Fernmeldeverkehr des Betreuten und über die Entgegennahme, das Öffnen und das Anhalten seiner Post werden vom Aufgabenkreis des Betreuers nur dann erfasst, wenn das Gericht dies ausdrücklich angeordnet hat (§ 1896 BGB - Voraussetzungen).

Postangelegenheiten sind vom Grundgesetz ein besonders geschütztes Rechtsgut und werden deshalb als gesonderter Aufgabenkreis benannt.

Gesundheitssorge / Heilbehandlungsbelange

Wenn die natürliche Einsichtsfähigkeit des Betroffenen nicht mehr vorhanden ist, muss stellvertretend der Betreuer in alle medizinischen Maßnahmen einwilligen!

Im Rahmen der Gesundheitssorge klärt der Betreuer dann beispielsweise folgende Themenbereiche:
- Krankenversicherungsschutz
- Zustimmung zu ärztlichen Maßnahmen
- Sorge für die Pflege und evtl. Rehamaßnahmen
- Beaufsichtigung der Pflege
- u.a.

Vermögenssorge

Die Vermögenssorge ist nicht automatisch Bestandteil einer Betreuung. Sie ist ein übergeordneter Begriff und umfasst die Regelung aller finanziellen Angelegenheiten.

Sie umfasst alle Entscheidungen, die mit dem Vermögen des Betreuten in Zusammenhang stehen, wie z.B.:

- Steuererklärung
- Schuldenregulierung
- Verwaltung des Sparvermögens
- Geltendmachung von Ansprüchen und Leistungen
- Kostenregelung für Wohnheim
- Führung eines Girokontos
- u.a.

Wohnungsangelegenheiten

Der Betreuer, der für den Aufgabenkreis "Wohnungsangelegenheiten" bestellt ist, kümmert sich um den Abschluss und die Erhaltung von Mietverträgen, den Umzug in ein geeignetes Heim, regelt die Kündigung des Mietverhältnisses und die Auflösung des Haushaltes.
Bei den Wohnungsangelegenheiten, die im Prinzip zu den Vermögensangelegenheiten gehören und auch nicht immer gesondert aufgeführt werden, sind zwei Besonderheiten zu beachten:

Betreten der Wohnung
Für das Betreten der Wohnung ist der Aufgabenkreis immer dann ausreichend, wenn der Betreute sich hierzu überhaupt nicht äußern kann, weil er sich z.B. an einem unbekannten Ort aufhält oder bewußtlos ist.

Aufgabe der Wohnung
Der Betreuer braucht eine betreuungsgerichtliche Genehmigung für die Kündigung des Mietvertrages über die Wohnung des Betreuten (§ 1907 I 1 BGB), oder den Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit dem Vermieter (§ 1907 I 2 BGB).

Vertretung vor Behörden

Betreuer vertreten auch sehr oft die betreuten Personen gegenüber Ämtern, Behörden und Versicherungen. Auch wenn dies nicht ausdrücklich als Aufgabenkreis benannt ist, zählt der Kontakt zu Behörden unterschiedlicher Art zu den Vertretungsaufgaben des Betreuers im Rahmen der gesetzlichen Vertretung.
Eigentlich ist dieses Aufgabengebiet schon in den Aufenthalts-, Vermögens- und Gesundheitsangelegenheiten mit eingeschlossen. Dennoch wird er hervorgehoben, um mögliche Lücken bei der gesetzlichen Vertretung zu vermeiden.